Tauchgänge
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Auf der Suche nach offenen Räumen, die für ein Kunstprojekt geeignet sein könnten, besucht sie eine sogenannte „Kunstkirche“. Dort finden seit längerer Zeit immer wieder Veranstaltungen und Konzerte statt, doch scheint auch dieser Kirchenraum wie etliche andere, die sie vergeblich aufgesucht hatte, für das Vorhaben nicht geeignet zu sein. Auf dem Weg nach draußen entdeckt sie am Schriftenstand eine daumendicke Broschüre, die die ergebnislose Suche nach Atelierräumen einer Künstlergemeinschaft dokumentiert. Seit einem Jahr liegt diese so betitelte „Herbergssuche“ aufgestapelt zum kostenlosen Mitnehmen bereit.Doris Krockauer
notizen von unterwegs
duesseldorf, hauptbahnhof, u-bahn-station. die naechste bahn ist angezeigt. dann wechsel der leuchtschrift: bitte nicht einsteigen. zug endet hier. eine u-bahn faehrt ein. die tueren oeffnen sich. die bahn leert sich. aus den am bahnsteig wartenden loest sich ein junger mann und steigt ein, alle anderen bleiben stehen, er setzt sich, fensterplatz. schaut hinaus. die tueren stehen offen. die auf dem bahnsteig schauen. die tueren schliessen sich. er blickt um sich, bemerkt jetzt: er ist der einzige im zug. steht auf, geht zur tuer, die sich nicht mehr oeffnen laesst. der zug setzt sich in bewegung und faehrt aus der station. die lichter in den waggons verloeschen. die anzeige am bahnsteig wechselt.
Hilmar Weldin

Ein kühler Morgen. Ich sehe
meinen Atem im ersten Sonnenschein.
Auf grünen Blättern, weißen Blüten glitzern Tropfen,
ein Geschmeide, vom Regen Nachts auf sie gelegt.
Ein Tropfen rinnt, löst sich vom Blatt
und fällt und fallend trifft er Blatt um Blatt,
ein andrer Tropfen fällt und immer wieder.
Ein Rascheln fern und nah im Baum,
ganz ohne Takt und Zeit, die Zeit.
Peter J.M. Schneider
